Terra Serpentes
Terraristik ist mehr als nur ein Hobby

Preis und Leistung (oder besser Wert)












"Immer billig kommt teuer" sagt ein Südamerikanisches Sprichwort. Und dem kann ich mich nur voll und ganz anschließen. 

Für Außenstehende und Einsteiger sind die Preise für Nachzuchten oft kaum zu durchschauen und nachzuvollziehen, darum will ich hier einen wichtigen Überblick geben und am Ende auch noch was zu den Boas sagen. 

Preise damals

Als Terraristik noch alles andere als ein bekanntes Hobby war, konnte man froh sein, überhaupt an gewisse Tiere zu kommen. Ein Nominat Königspython oder eine Kornnatter konnten in einem Zoogeschäft schnell mal 1000 Mark kosten und man war froh, wenn man überhaupt ein Tier bekommen konnte. Terrarien und Technik waren Teuer, Fachbücher auch, Auskünfte und Informationen waren spärlich und nicht selten starben Tiere, weil die Haltungsbedingungen nicht stimmten (was damals aber oft auch nicht bekannt war im Vergleich zu der heutigen Situation).  Wollte man spezielle Arten haben, oder Informationen, blieb oft nur die Möglichkeit sich an die Terrarianergemeinschaft zu wenden (die recht klein, dafür aber ausgezeichnet vernetzt war). 

Damals war das Hobby alles andere als billig und was damals stimmte, hält sich heute leider noch recht hartnäckig. Heute ist dieses Hobby alles andere als teuer wenn man es mit anderen Hobbys vergleicht.

In den 90ern änderte sich dass stark. Es wurden vermehrt gefarmte Tiere importiert (statt anfälliger und oft kranker Wildfänge). Die Nachzuchten waren stabiler und Fachbücher wurden erheblich mehr angeboten. Das Wissen um die erfolgreiche Nachzucht wuchs und erst mal konnte man Tiere recht preiswert abgeben im Vergleich zu den Jahrzehnten davor.  In der Boa-Szene setzte sich de Wunsch nach reinrassigen Tieren durch und diese wurden unter erheblichem Kostenaufwand importiert. Erste Farbvarianten (Morphen gingen aus der privaten Zucht hervor und erfreuten sich großer Beliebtheit.  

Morphenzucht seit 2000

Schon 10 Jahre später hatte sich die Situation fast gänzlich verändert. Viele Südamerikanische Länder verboten die Ausfuhr von Tieren, egal ob gefarmt oder der Natur entnommen. Für WA I Tiere wurden Dokumentationspflichten eingeführt, was zu einem Niedergang der Zucht mancher Arten führte (Occidentalis z.B.) und auf Grund von Stimmungsmache und Hysterie, gepaart mit Ignoranz und Unwissen, führten diverse Bundesländer (meist unter der Führung von Rot-Grün) Gefahrtierverordnungen ein, die massenhaft Tiere die gestern noch legal waren und seit Jahrzehnten erfolgreich gezüchtet und gehalten wurden, heute als verboten galten. Dabei interessierte es die Politik nicht, dass Privathalter damals schon viele Arten vor dem Aussterben bewahrt hatten und einen wesentlich Anteil daran hatten, dass zusammenzutragen, was wir heute über die Tiere wissen (Feldforschung war auch damals schon teuer und die Politik gibt nie Geld für nützliche Dinge wie Bildung und Forschung aus, damals wie heute). 

Gleichzeitig wuchs die Begeisterung für die Privathaltung weiter, vor allem für Arten die sich in speziellen Morphen züchten ließen. Dass führte dazu, dass die überforderten Naturschutzbehörden (damals musste noch jedes Tier gemeldet werden), Ausnahmen für die am häufigsten gehaltenen Arten erließ. So Z.B. Königspythons.

 

Diese Entwicklung trug maßgeblich dazu bei, dass die folgenden 10 bis 15 Jahre viele Arten als Naturformen verschwanden und fast nur noch Morphen gezüchtet wurden. Diverse Natternarten verschwanden fast gänzlich, stattdessen sah man überall nur noch Leopardgeckos, Königspythons, Bartagamen, usw.  Also klein bleibende Arten, die sich in allen möglichen Farben züchten ließen. Auch die Boas lieben davon nicht verschont. Waren in den 70ern und 80ern, noch unscheinbare, grau-braune Mischlingsboas (Terrarianer-Boas) die Regel, so eroberten nun, Snow-, Albino, Sunglow und Leopardboas die Deutschen Terrarien. 

 Die Preise stiegen dabei weit über dem was noch in den 1990ern als teuer galt. Der erste Blue-Eyed-Lucy Königspython wurde für über 100.000 USD verkauft, bald folgeten Piedbalds und noch im Jahr 2017 wurden Sunsets für 30.000 € gehandelt. Der Markt wurde massenhaft mit Köpys und anderen Tieren die sich für Morphenzüchterei eigneten überschwemmt, jeder witterte Erfolg und nicht selten brachte eine neue Morph ihrem Züchter zehntausende Euro ein. Gerade Köpys sind nach 2 Jahren schon zuchtfähig. 

Der Preisverfall folgte danach stetig und hält bis heute an. 

Für die Boas begann das Ende der Morphenzüchterei schon einige Jahre früher. Allgemein brauchen Boas deutlich länger zur Zucht und sind bekannter maßen Langzeitträger für IBD. Da man bei der Morphenzucht nur Erfolg haben kann, wenn man alles mit allem verkreuzt, war es abzusehen, dass irgendwann aus den USA mal kranke Tiere hierher importiert werden würden. USA hatte damals schon heftige Probleme mit IBD, als diese Krankheit hier kaum bekannt war. Heute weiß man sicher, dass es Albino-Boas waren, die diese Erkrankung nach Europa brachten und einem Großteil der Boa-Morphen-Zucht, den Todesstoß versetzten. Niemand wollte mehr Boas haben und so schwenkten viele Züchter zu den Köpys um (heute würde man sagen, es fand ein Run statt und die Blase vergrößerte sich). 

Die Zahlungsbereitschaft für Köpys war unterdessen nicht gering und man war gut und gerne bereit für eine besondere Moph auch mal ein paar tausend Euro auf den Tisch zu legen, wohl wissend, dass das selbe Tier 4 Jahre später fast nichts mehr an Marktwert hatte. Selbst günstigere Morphen kosteten noch einige hundert Euro (immerhin, ein paar Jahre früher waren es tausende). 

Parallel verloren in den 2000ern reinrassige Boas an Bedeutung, wurden aber dennoch von einigen wenigen Liebhabern regelmäßig nachgezüchtet. Bekannte Züchter wie Klaus Bonny, hatten schon seit den 80ern viele Arten in Zucht und die Szene Jahrzehnte lang mit guten Tieren versorgt. Gerhart Trummer war ebenfalls sehr bekannt und auch Stöckls züchteten fleißig und versorgten die wenigen Liebhaber mit tollen reinrassigen Tieren. 

Insgesamt waren es nur wenige große Züchter und viele kleine (oft Private die nicht davon Leben mussten). Gute Zucht reinrassiger Boas ist deutlich aufwendiger als Köpyzucht und dauert mitunter erheblich länger. Ist ein Köpy nach 2 Jahren zuchtfähig, so kann es bei einer Boa Occidentalis schon mal 7 Jahre dauern. Das hat natürlich auch seinen Preis, zumal man bedenken muss, dass die Importtiere oft alles andere als billig sind. Boas wurden nie so in Massen nachgezüchtet wie Königspythons und entsprechend gab es auch nie den Preisverfall (zumindest bei begehrten Arten). 

Ab den 2010ern verwanden viele der alten Züchter komplett. Bonny und Trummer hörten aus Altersgründen auf und Stöckls reduzierten ihren Bestand dramatisch. Aber es gab auch eine neue Generation junger, engagierter Züchter. Nylanders von Islandboas hatten sich mittlerweile einen Namen gemacht und auch Sebastian Hölch, Stefan Geigl, Sandro Giodano von Boa-c-Constrictor, lieferten regelmäßig Nachzuchten. 

Die Situation heute

Insgesamt ist die Zucht reinrassiger Boas, eine kleine Nische in der Reptilien und Schlangenzucht, aber eine die sich insgesamt gehalten hat. Die Preise sind über die Jahre recht stabil geblieben, was sicherlich auch daran liegt, dass es hier nie ein Überangebot gab, wie etwas bei Köpys. 

Boa Imperator und Boa Constrictor ist nach wie vor gefragt, hat aber mit ganz anderen Problemen zu kämpfen und dass ist im Wesentlichen ein Image-Problem. Die exzessive Morphen-Zucht, hat IBD in aller Munde gebracht und die Boas schwer in Verruf. Dabei war IBD immer eine seltene Erkrankung und fast immer waren Mischlingsboas betroffen. Außerdem hält sich z.T. bis heute dass Gerücht, dass Boas 5 m und mehr werden. Die Zankereien um die "wahre Reinrassigekeit" haben leider auch dazu beigetragen, dass Boas ein Schattendasein führten und auch noch führen. Bis auf einige wenige engagierte Halter und Züchter, die meist privat ihren Beitrag zur Arterhaltung leisten.

Zu den Boas

Diese lange Einführung mag lästig sein, verdeutlicht aber eines ganz klar. Angesichts der Probleme die die Szene hatte, können wir froh sein, dass es hier überhaupt noch reinrassige Boas gibt, die man für "paar Euro" kaufen kann. In den USA hat eine ähnliche Entwicklung dazu geführt, dass man bestimmte Unterarten einfach nicht bekommt. Wer ein reinrassiges Tier will, muss es heute in Europa kaufen und nach USA imporieren (das kostet einige tausend bis zehntausend USD). Es ist nicht zu letzt die Leistung der großen Züchter der ersten Stunde und wichtiger Vereine wie dem DGHT zu verdanken, dass Arterhaltung bei den Boa-Liebhabern immer eine wichtigere Rolle gespielt hat, als das schnelle Geld. Das ist bis heute so. 

Die Preise für Jungtiere richten sich meist nach dem Angebot (viele Arten werden oft nur von einem oder zwei Züchtern überhaupt angeboten), dem Aufwand (die Zucht von Constrictoren ist erheblich aufwendiger und man kann Tiere oft nur alle 2 Jahre verpaaren, wobei es auch dann keine Garantie für Erfolg gibt), den Anschaffungs- und Unterhaltungskosten (bis ein Züchter einen ersten Wurf hat, hat er nicht selten 20.000 € und mehr investiert) und auch nach der subjektiven Wertschätzung. 

Viele Arten wurden jahrelang gar nicht gezüchtet und oft musste ein interessierter Halter 5 Jahre und mehr warten bis er endlich ein Jungtier erwerben konnte (was dann oft auch alles andere als billig war), dann geht die Suche nach einem passenden Gegenstück los. Die Tiere müssen außerdem beide reinrassig sein und eine bewiesene Blutlinie haben und am besten noch aus einem ähnlichen Verbreitungsgebiet bzw. die gleiche Variante sein. 

Der Aufwand ist also mit Abstand weit größer, als die Aufwand eine Köpys-Morph zu züchten die man die man oft an jeder Straßenecke bekommt. Wer heute einen Pinpied Köpys will, kriegt ihn an jeder Straßenecke ungeachtet der Tatsache, dass er trotzdem oft noch 1000€ ausgeben muss.  Wenn man dann bedenkt, dass es teilweise nur noch 2 Züchter gibt, die überhaupt eine ECHTE Boa Unterart züchten, mit allem Aufwand und aller Geduld die für die Beschaffung und eine erfolgreiche Zucht notwendig ist, dann sind Boas allesamt wahrscheinlich viel zu billig zu bekommen. 

 Wer da noch über einen Preis von 300 € die Nase rümpf, aber bereitwillig 1000 € für eine Köpy-Morph ausgibt, die man in Massen überall bekommt und die morgen schon nichts mehr wert ist, der hat das Wesentlich nicht begriffen und mit Sicherheit auch nicht die Wertschätzung verinnerlicht, die diese Unterarten seit Jahrzehnten vor dem Aussterben bewahrt haben. Denn eines ist klar, ein Land wie Argentinien wird für Boa Occidentalis nie wieder Ausfuhrgenehmigungen erstellen und manche Arten werden vermutlich in den nächsten Jahren und Jahrzehnten in der Natur endgültig ausgestorben sein. 

Wir können also froh sein, dass man viele dieser Arten überhaupt noch für ein paar Euro (wahrscheinlich viel zu billig, wenn man Preis bedenkt den Liebhaber - egal ob sie eher wohlhabend sind oder nicht - bereitwillig für reinrassige Hunde ausgeben) bekommen kann. 

Fazit

Reinrassige Boas sind keine billige Massenware, sondern längst teure Edelhaustiere geworden, die die letzten Jahrzehnte in Privathaltung nur deswegen überlebt haben, weil engagierte Halter und Hobbyzüchter, ihren wahren Wert erkannt haben und zu schätzen gewusst haben. Der scheinbar "hohe Abgabepreis" rechtfertigt kaum den hohen Aufwand und die hohen kosten. Auch hier ist es mehr Idealismus als alles andere. Vergleichen mit anderen Schlangen sind und bleiben Boas einfach was besonderes. Sie haben im Vergleich zu anderen Schlangen eine Sonderstellung, was vor allem durch die reinrassige Arterhaltung geprägt wird (im Gegensatz z.B zu Teppichpythons, dort kriegt man keine reinrassigen Tiere mehr und Australien steht kurz vor einem Artensterben). 

Insgesamt sind die Preise fair, wenn man bedenkt, dass eine Boa immer noch etwas ganz besonderes ist, ganz im Gegensatz zu den meisten anderen Schlangenarten.